Frau Potz

Eine neue Platte wird im Jahre 2012 in ihr Regal zu stellen sein. Das Regelwerk der deutschen Musikindustrie gibt vor, dass im Falle einer Neuveröffentlichung ein Text zu schreiben ist. Eine Präsentation der Band, der Musik, der Platte – Mann, sind wir peinlich. Und kleinlich.

Vorab – Lesen Sie folgende Worte nicht, ohne die Plattezu hören!

Wer ist eigentlich diese Frau Potz? Hab ich doch schon mal irgendwo gehört? – Weißt du doch nicht! Frau Potz ist trotzig, wütend, keifend und laut. Sie zerreißt das Blatt vor dem Mund, trampelt darauf herum und spuckt hinterher. Kurt Ebelhäuser muss vergessen haben, die Räume seines Tonstudios 45 abzuschließen, so ließ er diese wütende Frau herein und Frau Potz mit ihrem Debütalbum „lehnt dankend ab“ wieder heraus. Endlich. Das Hamburger Label „Delikatess Tonträger“ traut sich und setzt also seinen Stempel auf die Platte. Qualitätsmerkmal – so weit, sehr gut.

Angepisste Arroganz und die komplette Verweigerung von Zweideutigkeit. Und norddeutsch wohlgemerkt. Na? Liegt das Urteil schon auf der Zunge? Abwarten. Frau Potz steht da in gerader Haltung und kümmert sich nicht um seitliche Blicke oder Ellbogenhiebe. Sie liest nicht die Zeitung, um zu wissen, was man grade so sagen und tragen muss um gewisse Erwartungen zu erfüllen. Sie kratzt nicht nur an der Oberfläche, sie reißt ein und erwischt da, wo es sein muss. Blitzschnell.

Lächelnde Münder, wippende Füße, schreiende Fratzen, wehende Haare, geballte Fäuste und tanzende Mädchen sind die Folge. Alles das. Ja, das geht. Wirst sehen. Kann schon sein, dass es auf den ersten Blick so scheint als sei das Alles nichts Neues mehr. Zumal es ja auch schick geworden ist, in diesen Zeiten, deutschen Punkrock zu produzieren. Doch wagen wir einen zweiten. Denn, so schwierig es auch sein mag, Musik, Texte, deren Stimmung und die ganze Band mit wenigen und dann auch noch meinen Worten zu beschreiben, kann ich folgendes garantieren – Frau Potz ist anders. Ja, ja. Das sagt ja jeder. Muss man ja auch. Wir wollen ja auffallen. Stimmt aber. Hör das Album!

Vergleiche mit anderen Bands – sei es aus der Gegend, aus dem Genre, aus dem Umkreis – man kennt sich ja, man mag sich auch – kommen häufig vor, werden toleriert, sind aber nicht erwünscht. Aus gutem Grund. Sie funktionieren nicht. Frau Potz will gar nicht so klingen. Frau Potz muss viele Dinge klären und findet dafür stets die richtigen Worte. Umgeben von wunderbarem Krach, der mit wenigen Mitteln unaufhörlich den Punkt trifft. Und über allem die ständige Frage, wie macht der Sänger das? Ich hörte neulich wie jemand sagte – ‚Irgendwann fällt dir noch was raus, aus dem Kopf.‘ Nein, so ist das. Das gehört so. „Lehnt dankend ab“ – Ein Album, das die letzten drei Jahre der Band zusammenfassen soll und dies auch zweifellos schafft. Frau Potz sind da, waren es die ganze Zeit und haben die Linie, die sie unverkennbar macht, beibehalten. All das klingt so wütend und das auch mit gutem Grund, denn die Themen, die Frau Potz böse und laut werden lassen, gehen nicht aus, in diesen Zeiten. Doch zuletzt mag ich nicht unerwähnt lassen, dass man in viele lächelnde Gesichter sehen kann, wenn man ein Konzert der Dame Potz besucht. Denn die Band besitzt einen Charme, der auch mit vielen Worten nicht erklärt werden kann, sondern erlebt und erkannt werden muss. Und sie hat sich ein Publikum zu Eigen gemacht, das treu zur Seite steht. Ein Publikum, das wie die Band, auch nicht in nur eine Schublade passt.

Wer ist diese Frau Potz? Weißt du doch nicht.

Frau Potz – Lehnt dankend ab – 2012.

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